Genfer Wein: dein Guide zum Weinbau in Genf

Genf ist der drittgrösste Weinbaukanton der Schweiz, und die Reben wachsen fast bis an den Stadtrand. Vom Mandement bis Entre Arve et Lac: Entdecke Regionen, Premiers Crus und die wichtigsten Rebsorten Gamay, Chasselas und Gamaret.

Was solltest du über Genfer Wein wissen?

Genf ist nach dem Wallis und der Waadt der drittgrösste Weinbaukanton der Schweiz. Die Rebfläche umfasst 1'361 Hektaren, davon 115 im benachbarten Frankreich mit Anrecht auf die AOC Genève. Gamay und Chasselas dominieren, und 1988 führte Genf als erster Schweizer Kanton eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung ein.

Was zuerst auffällt, ist die Nähe zur Stadt. Die Reben beginnen wenige Kilometer vom Zentrum entfernt, auf den Hügeln rund um Rhone, Arve und See. Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus der Weinbaustatistik 2025 des Kantons Genf und von der Branchenorganisation Genève Terroir.

Woher kommt der Genfer Weinbau?

In Genf wachsen Reben seit der Römerzeit, also seit über 2000 Jahren. Im 18. Jahrhundert zählte der Kanton rund 2000 Hektaren Reben. Ende des 19. Jahrhunderts setzten die Konkurrenz französischer Weine, die mit der Eisenbahn kamen, und danach die Reblaus dem Rebbau stark zu, bis die Winzerinnen und Winzer ihn wieder aufbauten.

Die eigentliche Wende kam Ende der 1980er-Jahre. 1987 organisierten die unabhängigen Winzer die ersten Tage der offenen Weinkeller der Schweiz. Ein Jahr später, 1988, schuf Genf die erste AOC des Landes, und alle anderen Weinbaukantone zogen später nach. Die Idee: auf Qualität und Herkunft statt auf Menge setzen, gerade als sich der Schweizer Markt für ausländische Weine öffnete.

Welche Weinregionen gibt es in Genf?

Der Genfer Rebbau teilt sich in drei Regionen. Das rechte Ufer (Rive droite) mit dem Mandement ist mit 756,5 Hektaren die mit Abstand grösste. Danach folgen Entre Arve et Rhône (261,3 ha) und Entre Arve et Lac (228,3 ha). Dazu kommen 115 Hektaren im benachbarten Frankreich, die ebenfalls zur AOC Genève gehören.

Das Mandement und das rechte Ufer

Nördlich der Rhone reicht das rechte Ufer bis an die französische Grenze. Sein Herzstück ist das Mandement rund um Satigny, die grösste Weinbaugemeinde der Schweiz. Hier liegen auch Dardagny und Russin sowie die flächenmässig grössten Premiers Crus des Kantons: Coteaux de Dardagny, Coteau de Peissy und Coteau de Bourdigny. In Dardagny arbeitet die Domaine des Esserts, und aus Satigny kommt der Chasselas der Domaine des Abeilles d'Or.

Weiter östlich gehören auch die Reben von Collex-Bossy und Céligny zum rechten Ufer. Kleine Besonderheit: Weine aus Céligny dürfen die Bezeichnung La Côte Céligny tragen.

Entre Arve et Rhône

Zwischen den beiden Flüssen, südwestlich der Stadt, liegen die Reben von Bernex, Lully, Confignon, Soral und Laconnex. Hier findest du den Coteau de Lully, flächenmässig den viertgrössten Premier Cru des Kantons, und die Côtes de Landecy. Die Domaine des Curiades und die Domaine de Beauvent arbeiten beide in der Gemeinde Bernex.

Entre Arve et Lac

Am linken Seeufer zieht sich das Rebgebiet von Cologny bis Hermance. Dazu gehören die Hänge von Meinier, Choulex und Jussy, mit Premiers Crus wie Mandement de Jussy, Château du Crest, Coteau de Choulex oder Coteau de Chevrens.

Und die Reben in Frankreich?

Die AOC Genève reicht ein Stück über die Grenze. Dazu gehören die französischen Gemeinden Challex und Ferney-Voltaire sowie Teile von Ornex, Chens-sur-Léman, Veigy-Foncenex, Saint-Julien-en-Genevois und Viry. Die Trauben dürfen dort wachsen, der Wein muss aber in der Schweiz gekeltert werden, und der Name einer französischen Gemeinde darf nicht auf die Etikette.

Was bedeuten AOC Genève und Premier Cru?

Die AOC Genève ist die Grundappellation und gilt im ganzen Kanton. Darüber stehen die AOC Premier Cru: Lagen, die auf Plänen genau abgegrenzt sind und strengeren Regeln folgen. Die kantonale Statistik 2025 zählt 23 davon, mit zusammen 684,8 Hektaren, also rund der Hälfte der Genfer Rebfläche.

Um Premier Cru zu werden, muss eine Lage grundsätzlich mindestens eine Hektare gross sein, und nach Norden ausgerichtete Parzellen sind ausgeschlossen. Für die Bezeichnung «Côte» braucht es zudem eine durchschnittliche Hangneigung von mindestens 10%. Auch die Erträge sind tiefer: 1 kg Trauben pro Quadratmeter für Chasselas und 0,9 kg für die übrigen Sorten, gegenüber 1,2 kg für Chasselas, 1,1 kg für Gamay und 1 kg für die übrigen Sorten bei der AOC Genève. Ein Premier Cru muss ausserdem im Kanton gekeltert und abgefüllt werden.

Die grössten sind Coteaux de Dardagny (118,9 ha), Coteau de Peissy (109 ha), Coteau de Bourdigny (96 ha) und Coteau de Lully (73,8 ha). Der kleinste, Domaine de l'Abbaye, umfasst 1,3 Hektaren. Achte auf der Etikette auf den Vermerk «AOC 1er cru» mit dem Namen der Lage. Ein Wein mit AOC Genève darf dafür die Gemeinde angeben, aus der die Trauben stammen. Alle Details stehen im Genfer Reglement über Reben und Weine (auf Französisch).

Welche Rebsorten prägen den Genfer Wein?

Genf ist ein Rotweinkanton: Rote Sorten belegen 56% der Fläche, weisse 44%. Gamay liegt mit 275 Hektaren vorne, vor Chasselas (255 ha), Pinot Noir (160 ha), Gamaret (117 ha) und Chardonnay (116 ha). Daneben verzeichnet der Kanton Dutzende weitere Sorten, vom Merlot bis zum Viognier.

Gamay

Gamay ist die meistgepflanzte Sorte im Kanton und belegt über ein Drittel der roten Rebfläche (36%). Er ergibt fruchtige Rotweine mit Noten von Erdbeere und Himbeere, die du leicht gekühlt trinkst, und Rosés für den Apéro. Einige Weingüter keltern daraus auch konzentriertere Weine aus alten Reben, wie die Domaine des Abeilles d'Or.

Chasselas

Chasselas bleibt die meistgepflanzte weisse Sorte, mit 42% der weissen Rebfläche. In Genf ergibt er leichte, lebendige Weine, oft mit einem Hauch Lindenblüte, ideal zum Apéro, zum Fondue oder zu Egli-Filets.

Gamaret und Garanoir

Gamaret und Garanoir sind Geschwister. Beide entstanden aus einer Kreuzung von Gamay und Reichensteiner an der eidgenössischen Forschungsanstalt Changins, heute Agroscope, genau wie ihr jüngeres Geschwister Mara. Der Gamaret machte seine ersten Schritte im Mandement und wächst heute in Genf auf 117 Hektaren, der Garanoir auf 46. Du findest sie sortenrein oder in Assemblagen.

Pinot Noir, Chardonnay und weitere Sorten

Pinot Noir (160 ha) und Chardonnay (116 ha) gehören ebenfalls zu den Stützen des Genfer Rebbaus. Merlot, Sauvignon Blanc, Pinot Blanc, Pinot Gris und Aligoté belegen je zwischen 20 und 55 Hektaren. Bei der Domaine des Curiades schreibt die Familie Dupraz den ersten Aligoté der Region Jules zu, der 1909 auf das Gut kam.

Welche Genfer Weine solltest du zuerst probieren?

Um den Genfer Weinbau in vier Flaschen kennenzulernen, startest du mit einem Chasselas zum Apéro und gehst dann zu einem Sauvignon Blanc Premier Cru. Bei den Roten zeigen ein Gamay aus alten Reben und ein Gamaret zwei Seiten des Kantons. Alle vier sind bei Tasters an Lager und lassen sich in einer Bestellung kombinieren.

Domaine des Esserts, Chasselas La Tuilière 2024

Der Chasselas La Tuilière duftet nach Lindenblüte und bleibt vom ersten bis zum letzten Schluck leicht und frisch. Serviere ihn gut gekühlt bei 8 bis 10°C zum Apéro, zu einem Fondue moitié-moitié oder zu Egli-Filets.

Chasselas (La Tuilière)
Domaine des EssertsChasselas (La Tuilière) 2024

Schweiz • Genf • Genf AOC

CHF 11.10

Domaine des Curiades, Sauvignon Blanc Coteau de Lully 1er Cru 2024

Dieser Sauvignon Blanc Premier Cru stammt vom Coteau de Lully. Er öffnet sich mit Aromen von schwarzer Johannisbeere, Holunderblüte und kandierter Zitrone und endet mit schöner Spannung. Serviere ihn bei 10 bis 12°C zu frischem Ziegenkäse oder zu grilliertem Fisch aus dem See.

Sauvignon Blanc Coteau de Lully 1er Cru
Domaine des CuriadesSauvignon Blanc Coteau de Lully 1er Cru 2024

Schweiz • Genf • Genf AOC

CHF 18.80

Domaine des Abeilles d'Or, Gamay Chouilly sélection Vieilles Vignes 2021

Mit diesem Gamay aus alten Reben zeigt die Sorte eine konzentriertere Seite, mit Noten von Pflaumen und Gewürzen und präsenten Tanninen. Serviere ihn bei etwa 16°C zu einem grillierten Entrecôte oder einem Coq au Vin.

Gamay Chouilly sélection Vieilles Vignes
Domaine des Abeilles d'OrGamay Chouilly sélection Vieilles Vignes 2021

Schweiz • Genf • Genf AOC

CHF 14.00

Domaine de Beauvent, Gamaret Tradition 2024

Der Gamaret Tradition setzt auf reife rote Beeren, mit einem geradlinigen, strukturierten Gaumen. Serviere ihn leicht gekühlt bei etwa 15°C zu einem Plättli oder einer Käseplatte.

Bio

Gamaret Tradition
Domaine de BeauventGamaret Tradition 2024

Schweiz • Genf • Genf AOC

CHF 20.30

Welche Genfer Winzer kannst du bei Tasters entdecken?

Bei Tasters findest du unter anderem drei Genfer Familienweingüter. Die Domaine des Esserts arbeitet in Dardagny im Mandement. Die Domaine des Curiades und die Domaine de Beauvent liegen in Bernex, zwischen Arve und Rhone. Jedes erzählt das Genfer Terroir auf seine Weise, vom Chasselas bis zum Gamaret.

Domaine des Esserts, Dardagny

Die Familie Ramu ist seit dem 18. Jahrhundert in Dardagny zu Hause. Heute bewirtschaften Sylvain und Damien, die achte Generation, die Parzellen des Weinguts zwischen Wald und Wiesen und keltern unter anderem einen Chasselas, einen Gamay und die rote Assemblage Le Barillet.

Domaine des Curiades, Lully

Seit 1909 pflegt die Familie Dupraz in Lully ihre Reben. Die fünfte Generation bewirtschaftet rund 15 Hektaren in der AOC Genève und im Premier Cru Coteau de Lully, mit einem Sortiment vom Aligoté über den Sauvignon Blanc bis zu roten Assemblagen.

Domaine de Beauvent, Bernex

Bernard und Jérôme Cruz, Vater und Sohn, führen dieses Familienweingut mit 16 Hektaren auf den Lehm- und Molasseböden von Bernex. Keine Herbizide, Lese von Hand und eine breite Palette an Sorten, vom Chasselas bis zum Gamaret.

Was passt zu Genfer Wein?

Ein Genfer Chasselas passt perfekt zum Fondue, zu Egli-Filets und zum Apéro. Gamay begleitet gut ein Plättli, Gamaret eine Raclette. Zu einem Gamay aus alten Reben oder einem kräftigeren Gamaret wählst du am besten ein grilliertes Stück Fleisch oder eine Käseplatte.

Weitere Ideen findest du in unserem Guide zu Wein und Essen.

Wohin nach Genf?

Wenn dir die Genfer Vielfalt gefällt, geht die Reise am Genfersee weiter mit den Waadtländer Weinen, von La Côte bis ins Lavaux. Für seltenere Sorten lohnt sich ein Abstecher zu den Walliser Weinen. Und für den Überblick wartet unser Guide zu den Schweizer Weinen.

Das offizielle Porträt der Region findest du bei Swiss Wine.

Genf: Entdecke unsere Weine